Streicheltiere sind Spinnen ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Bei den meisten Menschen lösen sie Ekel aus und viele haben regelrecht Panik, wenn sie eine Spinne sehen. Doch die Angst vor ihrem Gift ist zumindest in unseren Breiten vollkommen unbegründet. Und vielleicht hilft ja die Forschung, das Image von Spinnen aufzupolieren. Denn Spinnengift als Medizin könnte eines Tages helfen, chronische Schmerzen zu lindern, Hirnschäden nach Schlaganfällen zu reduzieren oder sogar Krebs zu heilen. Und Spinnengift kann noch viel mehr.
Spinnengift ist nicht einfach nur ein Gift. Die Giftcocktails von Spinnen sind die komplexesten aller Tiergifte. Das Gift einer Spinne kann bis zu 3000 verschiedene Substanzen enthalten. Dabei ist die Giftwirkung jeder einzelnen Substanz relativ gering. Aber zusammen wirken sie, wie ein Zahnrad, das ins nächste greift.
So enthält Spinnengift Substanzen, die die Beute lähmen. Nun sollte die Lähmung möglichst sofort einsetzen, damit der Spinne die Beute nicht wieder entwischt oder die Beute der Spinne sogar gefährlich werden kann, weil sie vielleicht auch tödliches Gift in sich trägt. Andererseits muss die Lähmung lange genug anhalten, damit die Spinne sie in ein praktisches Spinnenseidepäckchen verpacken und sie dann vielleicht auch mal als Vorrat beiseite schaffen kann. Also lähmt zum Beispiel Gift 1 aus dem Giftcocktail besonders schnell, aber die Lähmung hält nur kurz an. Während die Wirkung von Gift 1 nachlässt, setzt die Wirkung von Gift 2 ein. Auch das wirkt lähmend, doch seine Lähmung ist nachhaltig. Es wirkt also langsamer, seine Wirkung hält aber lange an.
Was macht Spinnengifte interessant?
Nun könnte man sagen: Klar, das klingt spannend. Aber was hilft es uns, die Gifte zu kennen? Spinnen brauchen ihr Gift, um zu überleben. Aber was hat das mit uns zu tun?
Von den tausenden Substanzen, aus denen der Giftcocktail einer Spinne besteht, wirken die einzelnen Gifte sehr selektiv. Das heißt, jede Substanz hat eine ganz bestimmte Funktion. Spinnengifte enthalten sehr viele Nervengifte, die zum Beispiel an ganz bestimmte Rezeptoren angreifen. Das sind Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, die für die Funktion der Zellen oder die Weiterleitung von Reizen zwischen den Zellen verantwortlich sind. So kann die Weiterleitung von Reizen unterbrochen, verstärkt oder verändert werden. Andere Substanzen binden an bestimmte Ionenkanäle und beeinflussen auf diese Art die Funktion von Zellen. Und solche Ionenkanäle und Rezeptoren gibt es auch im menschlichen Körper. Also würden diese Substanzen auch bei uns eine Reaktion auslösen.
Und gerade weil die einzelnen Gifte im Spinnen-Giftcocktail nur schwach wirken, könnte ihre Awendung beim Menschen unbedenklich sein. Und ihre besondere Selektivität hätte zur Folge, dass die Dosierung niedrig sein kann und die Nebenwirkungen entsprechend gering sind. Deshalb interessieren sich die Forschenden auch nicht für den gesamten Cocktail, sondern eher für die einzelnen Substanzen daraus.
Dazu kommt, dass Gifte aus der Natur, nicht stabil sind. Sie bauen sich mit der Zeit ab, sind also biologisch abbaubar, und reichern sich nicht in der Umwelt an. Ganz anders als es bei vom Menschen gemachten Giften der Fall ist. Die reichern sich häufig in der Umwelt an und werden so zum Problem.
Was Spinnengifte alles können
Lange Zeit haben sich die Forschenden auf die großen gefährlichen Spinnen aus den Tropen konzentriert. Ganz einfach auch, weil diese Spinnen eine größere Menge Gift produzieren, sodass sich die Untersuchung lohnt. Doch inzwischen sind die Analysemethoden extrem fein geworden. Deshalb können Forschende nun auch die geringen Giftmengen der kleinen europäischen Spinnen analysieren und daraus Substanzen isolieren. Und die dann auch im größeren Maßstab herstellen.
Spinnengifte in der Medizin
Hirnschäden verhindern
Forschende der Universität in Queensland haben im Gift der australischen Darling-Downs-Trichternetzspinne (Hadronyche modesta) ein Protein entdeckt, das Hirnschäden nach Schlaganfällen verhindern könnte. Das Protein blockiert im Gehirn einen Rezeptor und verhindert so das Absterben von Nervenzellen.
Effektives Schmerzmittel
Das Gift der Chinesischen Vogelspinne Cyriopagopus hainanus blockiert sehr effektiv einen Schmerzrezeptor und unterbindet so die Reizweiterleitung von Schmerzen zum Gehirn. Das könnte helfen, Morphine zu ersetzen. Morphine werden normalerweise bei starken Schmerzen eingesetzt, machen allerdings sehr leicht abhängig.
Krebsmedikament?
Irische Forschende haben eine Substanz aus dem Gift der Falschen Schwarzen Witwe (Steatoda paykulliana) gefunden, die auf Krebszellen ganz anders wirkt als auf gesunde Zellen. Das könnte irgendann vielleicht sogar zu einem Krebsmedikament führen. Die Falsche Schwarze Witwe ist mit bis zu dreizehn Millimetern eine relativ kleine Spinne, die auch in Europa heimisch ist.
Spinnengifte in der Landwirtschaft
Es gibt bereits einige Schädlingsbekämpfungsmittel, die von Spinnengiften abgeleitet sind. Der Vorteil dieser Pestizide ist, dass auch sie sehr selektiv wirken und so beispielsweise Bienen nicht beeinträchtigen. Zudem sind derartige Pestizide nicht langzeitstabil, weil sie sich abbauen und sich daher in der Umwelt nicht anreichern.
Spinnengifte in der Industrie
Forschende der Justus-Liebigs-Universität und des Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie in Gießen haben inzwischen auch zahlreiche Enzyme aus Spinnengiften identifiziert. Einige von ihnen bauen Fett oder Proteine ab und sind so für Waschmittel oder in der Abfallbeseitigung interessant.
Enzyme wirken wie Katalysatoren. Sie beschleunigen ohne hohen Energieaufwand chemische Reaktionen, bilden sehr wenig Nebenprodukte, werden dabei selbst nicht verbraucht. Und auch hier gilt wieder, die natürlichen Enzyme sind nicht langzeitstabil und reichern sich daher nicht in der Umwelt an.
Spinnengifte und ihr Potential
Es gibt etwa 50.000 verschiedene Spinnen auf der Welt, deren Gifte aus bis zu 3000 verschiedenen Substanzen bestehen. Dazu kommt, dass die Spinnengifte selbst bei ein und derselben Art je nach Geschlecht, Alter und Lebensraum variieren. Daraus schätzen die Forschenden, dass es etwa 10 Millionen neuartige Biomoleküle zu entdecken gibt.
Nach Stand der Forschung sind bisher gerade mal 1500 verschiedene Substanzen analysiert. Das Potential ist also noch riesig.
Bei den kleinen europäischen Spinnen sammeln die Forschenden die Spinnen und entnehmen ihnen die Giftdrüsen. Um die Genstruktur des Giftcocktails zu erhalten, sequenzieren sie daraus die mRNA.
Haben die Forschenden eine relevante Substanz ermittelt, bauen sie die Gensequenz dieser Substanz in eine Bakterienzelle ein. Die genetisch veränderten Bakterien produzieren dann im großen Maßstab das entsprechende Gift.
Bis es die ersten Medikamente auf Basis von Spinnengift gibt, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Von der entdeckung einer Substanz bis zum anwendungsreifen Medikament dauert es in der Regel 10 bis 20 Jahre. Und die Forschung steht noch ziemlich am Anfang.
Trotzdem haben Spinnengifte schon indirekt zur Entwicklung neuer Medikamenten beigetragen. Einige Spinnentoxine binden an Rezeptoren, die auch bei Krankheiten wie chronische Schmerzen oder Epilepsie eine Rolle spielen. Diese Toxine hat man dann verwendet, um mit ihnen die kranken Molekülen quasi im Reagenzglas zu manipulieren. So konnten bereits Krankheitswege aufgeklärt und dadurch neue Medikamente entwickelt werden.
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