Wieso ist das so?

Natur erklärt für Kinder

Advent auf der Albatrosinsel

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Als Lina am Morgen ihre Augen öffnete, hatte sie ein merkwürdiges Gefühl. Dann fiel ihr der Traum wieder ein, den sie letzte Nacht gehabt hatte. Sie krabbelte unter ihrer Decke hervor, holte Teddy und ihr Buch vom Regal und kuschelte sich wieder ins Bett.
Ihr Buch war nicht irgendein Buch. Es war eins, in dem sie selbst vorkam. Es hieß „Lina und der Albatros“ und auf dem Titelbild waren Lina, Erwin, Teddy und die beiden Albatrosküken Albi und Klara abgebildet. Und natürlich die Albatrosinsel. Klar, denn das Buch handelte von allem, was Lina bisher über das Leben von Wanderalbatrossen gelernt hatte. Also davon, wie Wanderalbatrosse aufwachsen und wie schwer es für Mama und Papa Albatros ist, ihr Küken zu ernähren und groß zu ziehen. Das Albatrosküken Albi war Hauptvogel in ihrem Buch. Hauptvogel ist so etwas wie Hauptperson, nur für Vögel eben, sagt Erwin. Und Klara ist Albis Freundin. Ach ja, und Erwin ist ein Büchermännchen. Außerdem handelte das Buch von Lina und ihrer Tagesmama Robert und all den Experimenten, die Lina mit Robert gemacht hatte, damit sie auch wirklich alles verstehen konnte, was sie auf der Albatrosinsel gesehen hatte. Und natürlich handelte es auch von Mama und Papa.
Wenn Lina in ihrem Buch las – und sie las oft in ihrem Buch – las Teddy immer mit.
„Teddy, du glaubst gar nicht, was ich heute Nacht geträumt habe. Ich habe von der Albatrosinsel geträumt!“, strahlte Lina Teddy an. „Aber es war wirklich ein sehr komischer Traum“, sagte sie dann nachdenklich. „Soll ich dir von meinem Traum erzählen, Teddy?“
Natürlich sollte sie!
„Teddy, du weißt doch, am Wochenende haben wir mit Mama den Adventskranz geschmückt und mit Robert haben wir am Freitag angefangen, Christbaumkugeln zu basteln. Und du weißt doch auch, dass die Kugeln über das Wochenende trocknen mussten und wir sie heute fertig basteln wollen. Das weiß du doch noch, oder?“ Lina sah Teddy fragend an.
Keine Frage, dass Teddy das noch wusste.
„Na, jedenfalls waren in meinem Traum die Kugeln schon fertig und ich wollte auf die Albatrosinsel und Albi und Klara zeigen, wie man einen Tannenbaum schmückt. Dafür musste ich aber nicht nur die Kugeln sondern auch einen Tannenbaum mitbringen. Denn, du weißt ja, Teddy, dass es auf der Albatrosinsel keine Bäume gibt, weil es da so kalt und stürmisch ist und da nur Gräser wachsen“, erklärte Lina.
Und so kam es, dass der Baum von Lina ein ziemliches Aufsehen erregte und innerhalb kürzester Zeit eine Ansammlung von Albatrossen zusammengekommen war. Jeder hatte einen anderen Vorschlag, was man mit so einem Gebilde anfangen könnte. Einige versuchten, den Baum auf den Kopf zu stellen, andere meinten, er eigne sich gut als Aussichtspunkt und versuchten auf ihn zu klettern und wieder andere wollten mit den Zweigen ihr Nest auspolstern. Und dann erst das Theater um die Kugeln! Lina kam gar nicht dazu, den Albatrosküken zu zeigen, was man damit macht. Die meisten fanden, die Kugeln eigneten sich hervorragend dafür, um mit ihnen Brüten zu spielen. Versteht sich von selbst, dass Klara da ganz vorne mit dabei war.
„Als sich dann ein Albatrosküken mitten auf dem umgekippten Baum gesetzt hat und fast alle Kugeln in irgendwelchen Nestern verschwunden waren, bin ich aufgewacht“, Lina schüttelte mit dem Kopf. Es war wirklich ein komischer Traum.
Das fand Teddy auch.
Lina nahm ihren Teddy in den Arm und drückte ihm ein Küsschen auf die Nase. „Aber, Teddy, ich glaube, wir müssen jetzt mal ganz schnell gucken, ob unsere Weihnachtsbaumkugeln noch da sind.“
Denn so ganz leise Zweifel, dass es sich bei dem Traum von letzter Nacht nicht um einen richtigen, echten Traum gehandelt hatte, kamen ihr dann doch.
Denn Lina hatte schon viele Nächte von der Albatrosinsel geträumt. Allerdings war in allen anderen Nächten immer Erwin dabei gewesen. Denn Erwin hatte für sie das Albatrosküken Albi aufgespürt und alles, was Lina mit Hilfe von Erwin gesehen hatte, war wirklich passiert. Für Lina war das immer so etwas wie eine Traum-Wirklichkeit  gewesen und es war auch nicht ganz so chaotisch wie richtige, echte Träume normalerweise sind. Oder, sagen wir mal, es war anders chaotisch gewesen. Denn Erwin und Albi haben sich hin und wieder mal gekabbelt und Erwin musste Küken spielen, obwohl es ihm schrecklich peinlich gewesen war. Und Zuhörverbot hatte er auch einmal bekommen.
Jedenfalls war sich Lina deshalb nicht so ganz sicher, ob wirklich auch alles mit rechten Dingen zugegangen war. Denn sollte es sich bei dem Traum von letzter Nacht nicht um einen richtigen, echten Traum gehandelt haben, lägen jetzt tatsächlich alle Kugeln in irgendwelchen Albatrosnestern und Robert und Lina müssten ganz von vorne anfangen!
Als Lina mit Teddy im Arm den Flur entlang flitzte und in einer scharfen Kurve ins Wohnzimmer schoss, wäre sie beinahe mit Papa zusammengestoßen.
„Langsam, langsam, wo willst du denn so flott hin?“, fragte Papa.
„Ich muss nach meinen Kugeln gucken“, rief Lina.
Papa lachte. „Du hast wohl Angst, dass heute Nacht jemand die Kugeln gefressen hat. Doch da kann ich dich beruhigen. Sie liegen alle noch da und sind wunderbar trocken geworden. Ihr könnt sie also heute fertig basteln. Und nun geh dich mal anziehen, Lina, sonst kommst du zu spät zur Schule.“
Als Lina am Nachmittag aus der Schule nach Hause kam, bastelte sie sofort nach ihren Hausaufgaben die Weihnachtsbaumkugeln fertig. Und hier zeigt sie dir, wie sie das gemacht hat.

 

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