Wieso ist das so?

Natur erklärt für Klein und Groß

Reger Flugbetrieb im Sand - Die Frühlings-Seidenbienen

Reger Flugbetrieb im Sand – Die Frühlings-Seidenbiene

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Bei uns herrscht mal wieder Wildbienen-Flug-Hochbetrieb. Genau genommen ist das schon seit einem Monat so. Mit den ersten warmen Sommertagen im März herrschte reger Flugbetrieb im Sand. Sobald es wieder kälter wurde, war Ruhe. Mit den nächsten Sonnenstrahlen ging es wieder los. Ganz schön hektisch war das. Wie soll man da herausfinden, was das für Bienen sind? Doch das Flitzen hatte auch einen Vorteil. Irgendwann kann man nicht mehr. Dann muss man eine Pause machen. Und wenn man eine Pause macht, hält man still. So habe ich dann doch noch herausgefunden, dass dort Frühlings-Seidenbienen flitzen.

 

Und noch etwas habe ich herausgefunden. Es sind alles Männchen.

So lebt die Frühlings-Seidenbiene

Frühlings-Seidenbienen nisten im Sand. Dabei bevorzugen sie leicht geneigte Flächen, auf denen wenig wächst. Beides trifft auf die Stelle zu, an der ich die Bienen entdeckt habe. Es ist die Schräge zu einem Kellerfenster, die ich nicht sehr dicht bepflanzt habe. Die Fläche zwischen den Pflanzen versuche ich immer möglichst frei zu halten. Denn es gibt viele Insekten, die gerne in Sand nisten. Und so finden die vielen Erd- und Sandbewohner ein Plätzchen für ihre Nester.

Reger Flugbetrieb im Sand - Die Frühlings-Seidenbienen

Ein Männchen der Frühlings-Seidenbiene macht eine Pause auf einem Kieselsteinchen.

Die Nester der Frühlings-Seidenbiene

Die Weibchen der Frühlings-Seidenbiene graben röhrenförmige Nester in den sandigen Boden. Am Ende der Gänge legen sie ihre Brutzellen an. Die Brutzellen kleiden sie mit einer seidenartigen Substanz aus. Deshalb heißen sie Seidenbienen. Diese Substanz produziert das Weibchen in zwei Drüsen. Eine befindet sich am Hinterleib, die andere an der Unterlippe. Außerdem besitzen Seidenbienen noch eine weitere Drüse an ihren Mandibeln. Mandibeln sind die Mundwerkzeuge von Bienen und vielen anderen Insekten. Das Sekret aus dieser Drüse schützt die Brutzellen vor Pilz- und Bakterienbefall.

Wenn das Weibchen eine Brutzelle ausgekleidet hat, schafft sie Pollen heran. Den Pollen, den sie mit Nektar mischt, legt sie in der Brutzelle ab. Findet sie, dass genug Pollen da ist, legt sie auf des Pollen-Nektar-Häufchen ein Ei. Anschließend verschließt sie die Brutzelle. Auch dafür nutzt sie das seidenartige Sekret. Direkt davor kommt die nächste Brutzelle, davor noch eine und noch eine … Das macht sie so lange, bis sie meint, sie hat genug Brutzellen in diesem Gang angelegt. Dabei sorgt sie dafür, dass die Männchen immer zuerst schlüpfen. Aber wie macht sie das?

Reger Flugbetrieb im Sand - Die Frühlings-Seidenbienen

Die Männchen der Frühlings-Seidenbiene warten auf die Weibchen.

Zuerst fliegen die Männchen

Wie ihr schon oft hier lesen konntet, Wildbienen, Wespen und auch Honigbienen, können steuern, ob sie Eier legen, in denen sich Männchen oder Weibchen entwickeln. Aus befruchteten Eiern entwickeln sich immer Weibchen, aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich Männchen. Das heißt, das Weibchen weiß, aus welchen Brutzellen im nächsten Frühjahr Weibchen und aus welchen Männchen schlüpfen werden. Und es hat einen Plan.

In die ersten Brutzellen, die das Frühlings-Seidenbienen-Weibchen anlegt, legt sie immer befruchtet Eier. Aus denen entwickeln sich ja bekanntlich Weibchen. Dadurch liegen die Brutzellen mit Weibchen tiefer im Boden als die der Männchen. Denn weiter vorne in den Gang, also vor die Weibchen, legt sie unbefruchtet Eier. Die Männchen liegen also immer näher am Ausgang als die Weibchen. Deshalb schlüpfen sie auch zuerst.

Sobald die Männchen geschlüpft sind, wollen sie sich paaren. Doch aus welchem Nistgang das nächste Weibchen schlüpft, wissen sie ja nicht. Und weil jedes Männchen das erste sein möchte, fliegen sie so aufgeregt herum.

Genau genommen ist damit ein für die Erhaltung der Art hervorragend funktionierendes System entstanden. Hast du eine Idee, warum das so ist?

Warum fliegen die Männchen zuerst?

Wenn die Männchen der Frühlings-Seidenbiene zuerst schlüpfen, ist zunächst einmal sichergestellt, dass die Weibchen sofort nach dem Schlupf begattet werden. So verlieren sie keine Zeit und beginnen direkt mit dem Brutgeschäft. Das ist wichtig, denn Bienen leben nicht so lange. Außerdem könnte das Wetter schlechter werden, dann müssen sie pausieren. Und was sonst noch so alles passieren kann.

Reger Flugbetrieb im Sand - Die Frühlings-Seidenbienen

Einige erschöpfte Männchen der Frühlings-Seidenbiene.

Hier siehst du noch ein paar erschöpfte Männchen der Frühlings-Seidenbiene. Die Weibchen sind immer noch nicht geschlüpft.

Dass die Männchen weiter vorne im Nistgang sitzen, ist auch ein Schutz für die Weibchen. Falls irgendein Tier leckere Bienenlarven mag, frisst es eher Männchen und weniger Weibchen. Auch das ist wichtig für die Erhaltung der Art. Denn die Weibchen legen die Eier. Um möglichst viele Nachkommen zu produzieren, braucht es möglichst viele Weibchen. Bei Männchen reichen wenige Exemplare. Denn ein Männchen kann sich natürlich mit mehreren Weibchen paaren.

Frühlings-Seidenbienen sind spezialisiert auf Weiden

Übrigens sind Frühlings-Seidenbienen spezialisiert auf Weiden. Das bedeutet, ihre Larven brauchen ausschließlich die Pollen von Weiden, um sich zu entwickeln. Allerdings macht mir das ein bisschen Sorgen. Denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo es hier in unserer Umgebung Weiden gibt. Es gab welche bei verschiedenen Nachbarn. Doch die gibt es inzwischen alle nicht mehr. Und vor unserem Gartenzaun, im angrenzenden Wald, standen bis vor zwei Monaten noch einige große Zitterpappeln. Und Zitterpappeln gehören zumindest zu den Weidengewächsen (Salicaceae). Doch unser Forstamt hat hier bei uns „Waldpflege“ betrieben. Dieser „Waldpflege“ sind die Pappeln zum Opfer gefallen. Ob sich aber Frühlings-Seidenbienen überhaupt mit Zitterpappeln zufrieden geben, weiß ich auch nicht. Vielleicht weiß es jemand von euch? Über Hinweise bin ich dankbar.

Bienen, wie die Frühlings-Seidenbiene, die auf bestimmte Pflanzenfamilien zum Pollen sammeln spezialisiert sind, nenne wir oligolektisch. Das Verhalten nennen wir Oligolektie. Etwa ein Drittel aller in Deutschland lebenden Wildbienenarten sind oligolektisch. Verschwinden die Pflanzen, verschwindet auch die Biene.

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Wir sind wieder verlinkt: Der Naturdonnerstag, Ein Fachwerkhaus im Grünen.

9 Kommentare

  1. Hallo Silke,
    das ist aber lieb, dass du den Bienen am Abhang die Fläche frei hälst.Wir haben letztes Jahr einen Steingarten vor den Kellerzimmern angelegt und ich bin eigentlich froh, wenn die Polsterstauden nächstes Jahr dann alles zugewachsen haben. Allerdings ist unser Boden auch nicht sandig.
    Vielen Dank für die Infos und Bilder.

    Liebe Grüße
    Arti

    • Anfangs hatte ich es auch nicht unbedingt vor. Aber jetzt jäte ich halt ein bisschen. Trotzdem, man wundeet sich aber manchmal. Den Bienen reichen oft auch kleine offene Stellen. Die werden dann okkupiert ;)
      Liebe Grüße
      Silke

  2. Ich liebe Bienengeschichten und die Frühlings-Seidenbiene ganz besonders. sie gehört mit zu den ersten Wildbienen im Jahr und ist deshalb auch relativ leicht zu erkennen. Ich treffe sie auf der Düne immer dann an, wenn die Schlehe (Schwarzdorn) blüht.
    Auch auf anderen blühenden Bäumen, von daher findet sie außer Weidenpollen auch andere Nahrung.
    LG Heidi

    • Liebe Heidi, da bin ich aber froh, dass sie auch anderen Pollen nimmt. Dann kann ich ja hoffen, dass meine kleine Kolonie erhalten bleibt – wenngleich ich nun auch zwei kleine Weiden gepflanzt habe. Die Schweizer Weide bleibt richtig schön klein und sieht wunderhübsch aus. So findet die Frühlings-Seidenbieene nächstes Jahr auch auf jeden Fall Weidenpollen :)
      Liebe Grüße
      Silke

  3. Deine Fotos sind großartig. Vor diesem Gewusel stand ich neulich auch und habe es nur mit Mühe geschafft, einige Bienen an ihren Löchern zu fotografieren. Video ist eine gute Alternative.
    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag – Elke

    • Dankeschön. Nun ist mir aufgefallen, dass ich am Donnerstag bei dir den falschen Post geteilt habe. Na, das hole ich nächste Woche nach :)
      Liebe Grüße
      Silke

  4. Liebe Silke,
    da habe ich wieder viel gelernt. Danke für die diesen Post. Das Video habe ich mir auch angesehen. Da ist wirklich beneidenswert viel los, so wie es nur von den Bienenstöcken der Nachbarn kenne.
    Ich wünsche Dir einen schnen Sonntag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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